Surfer Kids on Tour

Die 22. Woche auf Maui (17.-23.12.)

Haleakala Summit - Cycle to the sun

Heute ist der große Tag. Die Wettervorhersage zeigt nur leichten Wind, keinen Regen und 13-18 Grad Celsius auf dem Gipfel.

3010 km und 32.000 Höhenmeter Vorbereitung auf Maui, ca. 950km in Deutschland. Ich habe in diesem Jahr mehr Kilometer auf dem Rad zurückgelegt als in den letzten 10 Jahren zusammen. Die 4000km Marke habe ich seit mehr als 15 Jahren nicht mehr gebrochen. Mehr Vorbereitung ging nicht. Ich fühle mich fit, insbesondere mehrere 100km Fahrten zeigen mir, dass ich vor dem Berg eigentlich keine Angst haben muss. Eigentlich, denn vor diesem Hügel muss man Respekt haben! Es geht 59km von Meereshöhe auf 3055 Meter (10023 Fuß) hoch. Die durchschnittliche Steigung beträgt 5%. Das hört sich nicht schlimm an, bedeutet aber das man ununterbrochen in die Pedale treten muss und das mit ziemlich großem Widerstand. Es gibt auf der ganzen Strecke nur zwei kurze Flachstücke bei denen man die Beine etwas erholen kann. Es ist die zweit schwerste Rennradstrecke der USA, die schwerste ist auf Big Island (da geht es auf den Mauna Kea, mit 68km und 4186 HM). Das steilste Stück hat 21,2% Steigung!

Wie geplant stehe ich um 5.30 auf und frühstücke ein paar Haferflocken und etwas Orangensaft. Das Fahrrad habe ich am Vorabend vorbereitet und ins Auto verladen. Zur Vorbereitung gehört auch das ich meine Müsliriegel, mein Langarmtrikot und meine Ersatzbatterie für mein Handy mit Klebeband am Rahmen befestigt habe. Jetzt muss ich mich nur noch um mich kümmern. Um kurz nach 6.00 fahren wir los, Jule hat die kleine Prinzessin mit Schlafsack ins Auto gesetzt, die Jungs wissen Bescheid und bleiben eine halbe Stunde alleine. Jule bringt mich zur Hansen Road an der alten Zuckerrohrfabrik. Das Fahrrad ist trotz Dunkelheit schnell fahrbereit und auf geht es ins Abenteuer. Ich will zunächst die 6km bis Paia zum warmfahren nutzen bevor es dann in den Aufstieg geht. Der Blick auf den dunklen Haleakala ist wunderschön, er zeichnet sich wie ein großer Schattenriss am Horizont ab. Die ersten Sonnenstrahlen werfen ihr Licht. Es ist noch frisch aber nicht kalt. Die ersten Kilometer spule ich in großer Vorfreude ab. In Paia beginnt der Anstieg, zunächst gemächlich aber relativ schnell mit kleinen knackigen Steigungen. Es geht vorbei an geschlossenen Geschäften und Restaurants, der sonst so geschäftige Ort schläft noch. Nach 54 Minuten komme ich in Makawao an, ich habe etwas mehr als 11km bei einer Steigung von 4% zurückgelegt.      Jetzt kommt die erste Herausforderung, 400 Meter mit 11% Steigung. Danach wir es wieder etwas gemütlicher und ich mache eine erste kleine Pause für ein zweites kleines Frühstück. Es geht weiter Richtung Kula, dieser Ort liegt auf ca. 1000 Meter Höhe und ist für mich ein erstes Zeichen für meine wahrscheinliche Endzeit. Die Regel lautet: die Zeit bis Kula mal drei. Bei einem der wenigen Tests habe ich bis Kula 2,5 Stunden gebraucht. Also eine Endzeit von 7,5 Stunden im Visier. Es geht durch kleine tropische Wälder, die Morgenluft ist wunderbar frisch. Es macht großen Spaß hier mit dem Fahrrad unterwegs zu sein. Mir kommen die ersten Downhill Biker entgegen. Die bezahlen dafür dass sie mit dem Auto auf den Berg gefahren werden und dann mit dem Fahrrad herunterrollen dürfen. Die Geschwindigkeit bestimmt ein Aufpasser der Vorweg fährt. Für mich klingt das nach wenig Spaß, bestimme ich doch meine Geschwindigkeit gerne selbst und verdiene mir den Spaß der Abfahrt auch gerne durch vorheriges klettern. Die Strecke nach Kula zieht sich und einige Steigungen sind unangenehm steil. Endlich erreiche ich den Kula Market und kann dort meine Wasservorräte auffüllen. Ich glaube es kaum, aber ich habe bis hierher (20km) nur knapp 1 Stunde 54 Minuten reine Fahrtzeit gebraucht. Dass ich den Rest der Strecke in nur 4 Stunden bewältigen soll kann ich mir kaum vorstellen.

Von Kula aus geht es in den richtigen Anstieg zum Haleakala, von hier aus sind es noch 22 Meilen (35,2 Km). Die noch vor mir liegende Strecke und die langsam spürbare Anstrengung vergrößern meine Sorge es nicht zu schaffen. Bis zur Höhe von 5000 Fuß bin ich schon gefahren und ich weiß welche Steigungen dort noch auf mich warten. Was danach kommt kenne ich nur von der Analyse und auch das reicht schon aus um Zweifel zu bekommen. Machen die Muskeln bis oben mit, was mache ich bei Krämpfen und spielt das Wetter mit? Ich beschließe mich nur um den nächsten Meter zu kümmern und versuche alles andere auszublenden. Jetzt finde ich einen guten Rhythmus und fahre langsam in meinem Tempo weiter. Jeder Meter ist hart erkämpft. Endlich erreiche ich die 4000 Fuß Marke. Jetzt nur noch 6000! Immer noch sind es mehr als 30km. Irgendwie scheinen die Meilen Marker am Straßenrand nicht richtig zu sein. Es fühlt sich an als komme ich überhaupt nicht von der Stelle. Immer die gleiche Bewegung, immer der gleiche hohe Druck auf den Oberschenkeln, die Geschwindigkeit bleibt gering. Jetzt nur nicht den Fehler machen und schneller werden, dann gibt dir das Lactat in den Beinen den Rest und du kannst nach Hause rollen. Ich versuche gleichbleibend zu fahren und weiterhin nur den nächsten Meter zu sehen. Nach einer Ewigkeit sehe ich die 4500 und dann endlich die 5000 Fuß Marke, spätestens hier waren bisher alle Trainingsfahrten zu Ende. Halbzeit! Ich freue mich dass ich es bis hier geschafft habe, die Zweifel es bis oben zu schaffen sind jetzt sehr groß. Es sind noch über 20km und ca. 1524 Höhenmeter, die Oberschenkel brennen schon etwas und nach jeder kleinen Getränke oder Essenspause ist es unglaublich schwer wieder in Tritt zu kommen. Ich nehme mir vor bis 7000 Fuß zu fahren und dann kann ich eigentlich nicht mehr umdrehen weil ich ja dann schon fast oben bin. Zunächst passiere ich die 6000er Marke, dann die 6500 Marke. Hier werde ich von einem jungen Burschen überholt der fast doppelt so schnell fährt wie ich. Ich frage mich wo der so schnell hin will…

Immer wieder mache ich kurz halt um Fotos zu machen, langsam ziehen Wolken unter mir auf und ich erkenne das ich den Bereich der üblicherweise von Wolken bedeckt ist schon passiert habe. Je höher ich komme desto schöner wird der Blick auf die restliche Insel. Und die Sternwarte auf dem Gipfel wird immer größer und immer greifbarer. Vielleicht klappt es ja doch, das von unten so ferne Ziel zu erreichen. Kurz vor der 7000er Marke erreiche ich den Parkeingang, dort werde ich zur Kasse gebeten. Auch Fahrradfahrer müssen hier bezahlen. Gut dass ich das vorher in Erfahrung gebracht habe, sie akzeptieren nämlich nur Kreditkarten und kein Bargeld. Bisher hatte ich immer nur Bargeld im Trikot und nicht sehr viel. Die 12 US-$ hätte ich nicht bezahlen können und dann wäre meine Fahrt genau hier zu Ende gewesen. So aber darf ich mich weiter quälen. Nach kurzer Zeit erreiche ich das Visitor Center (die letzte Gelegenheit um die Wasservorräte aufzufüllen), hier stärke ich mich erneut und lasse mich von den Touristen bewundern die es nicht glauben können das man diesen Weg mit dem Fahrrad fährt. Ich bin jetzt 4 Stunden unterwegs und habe noch ungefähr 17km vor mir. Bis zur 8000er Marke geht es wieder ganz gut und ich beschließe mich jetzt nicht mehr aufhalten zu lassen. Zur Not kann ich das Rad den Berg hinauftragen. Die dünne Luft macht mir keine Probleme, die Steigungen schon eher und die unglaubliche Länge der Strecke. Immer wieder denke ich dass die Aufsteller der Meilenmarkierungen betrunken waren. Soviel Abstand zwischen zwei Markern das kann doch gar nicht sein. Der Wind hier oben ist heute zum Glück nicht sehr stark aber dennoch deutlich spürbar. In den Serpentinen freue ich mich immer über Linkskurven denn das bedeutet Rückenwind, die Rechtskurven mag ich nicht so gern, denn dann bläst mir der Wind direkt entgegen. Auch hier habe ich den Eindruck das bösartige Mächte am Werk sind, der Weg nach einer Rechtskurve ist immer viel viel länger als der nach einer Linkskurve. Mit solchen Gedanken gelingt es mir mich von der eigentlichen Qual etwas abzulenken und als ich die 9000er Marke sehe kann ich es kaum fassen, es sind jetzt nur noch ca. 300 Höhenmeter und 5km. Die höchste Stelle die ich bisher mit dem Fahrrad erreicht habe war der Großglockner mit 2504HM, jetzt bin ich schon deutlich weiter. Ich werde jetzt nicht mehr aufhören. Die Sternwarte ist so groß und greifbar, der Weg scheint nicht mehr weit ich bin jetzt sicher dass ich es schaffen werde. Langsam aber stetig fahre ich weiter, immer die gleiche Frequenz. Die letzten Kehren sind unglaublich anstrengend aber die Aussicht auf den Erfolg setzt weitere Kräfte frei. Endlich, endlich der Parkplatz ist in Sicht. Jetzt nur noch eine halbe Meile bis zum Gipfel (800 Meter). Hab ich nur noch gesagt? Jetzt kommt doch tatsächlich das Beste, die haben sich den steilsten Teil bis zum Schluss aufgehoben. Ich quäle mich, ich fluche und ich freue mich. Die 800 Meter schaffe ich, egal wie! Tatsächlich muss ich 2 Mal anhalten, meine Oberschenkel brennen und schaffen es nicht mehr den Druck konstant aufzubauen den ich für diese Steigung brauche. Das allerletzte Stück, die restlichen 200 Meter sind unglaublich, ich will es unbedingt und kann es gleichzeitig kaum glauben dass ich es schaffe. Ich bin oben! Ich bin so stolz und glücklich. Das ganze Training, die Vorbereitung und der Plan für den Aufstieg alles hat perfekt funktioniert. Das Wetter war traumhaft, es war der perfekte Tag! Soviel Glück verspürt man selten im Leben, ein wunderschönes Erlebnis. Die reine Fahrzeit beträgt 5 Stunden und 56 Minuten, ich hätte nie gedacht dass ich es unter 6 Stunden nach oben schaffe.

Von den Touristen werde ich ungläubig angestarrt, manche wollen mir die Hand schütteln, andere ein Foto mit mir. Für die meisten ist weder diese Leistung noch deren Motivation nachvollziehbar. Der Respekt der mir entgegenschlägt ist unglaublich. Ich genieße es hier oben zu sein, der Blick auf die unter mir liegende Wolkendecke ist wunderschön. Den kalten Wind spüre ich nicht, ich bin selber wie auf Wolken. Nach einer halben Stunde beginne ich mein Langarmtrikot vom Fahrrad zu schnallen und mich für die Abfahrt vorzubereiten. Mich erwartet jetzt der Spaß auf den ich mich schon so lange freue. 60km bergab, Speed, Speed und Speed und keine Anstrengung mehr. Die Muskeln der Beine können sich erholen, jetzt dürfen die Fingermuskeln an der Bremse arbeiten. Die schönen, hart erarbeiteten Höhenmeter werden jetzt in atemberaubender Geschwindigkeit wieder abgebaut. Für die ersten 16km brauche ich 20 Minuten, immer wieder frage ich mich während der Abfahrt wie man so verrückt sein kann hier hoch zu fahren. Nach insgesamt 1,5 Stunden bin ich wieder am Startpunkt und werde von meiner gesamten Familie in Empfang genommen.

Dieser Moment, meine vier Liebsten wieder in den Arm zu nehmen, der ist noch besser als der Augenblick auf dem Berg.

Gingerbreadhouse (Lebkuchenhaus) bauen, in der Schule

Nachdem ich (Peter) schon am Mittwoch in der Schule war und etwas über die deutschen Weihnachtsbräuche erzählt habe ist der heutige Freitag, der letzte Schultag, der Tag des Bastelns. Ich helfe gern bei den Vorbereitungen und der Durchführung. Zunächst bereiten wir drei (2 Mütter und ich) Muffinformen mit Süßigkeiten vor. Zusätzlich erhält jedes Kind eine kleine ausgespülte Milchbox als Hausform. Diese wird später mit Eischnee und Keksen beklebt und dann mit Süßigkeiten verziert. Es gibt M&M’s, Marschmellows, Zuckerstangen, Brezeln, Gummidrops, Gummiwürmer usw.

Die Kinder sind während dieser Vorbereitungen im Sportunterricht. Als sie in den Klassenraum stürmen können sie es kaum erwarten. Alle sind begeistert von diesem letzten Schultag. Als sie die tollen Dinge auf ihrem Tisch vorfinden gibt es kaum noch ein Halten. Aber die Lehrerin hat das gut im Griff, zunächst erklärt sie genau was und wie es zu tun ist. Dann zeigt sie ihnen einige Beispielbilder von solchen Häusern damit sie Ideen entwickeln können.

Endlich geht es los! Jeder 4er Tisch wird von einem Elternteil betreut. Unsere Aufgabe ist es Hilfestellung zu leisten und für Nachschub bei den Süßigkeiten zu sorgen. Alle Kinder sind mit großer Begeisterung dabei, sofort erkennt man das jedes Kind andere Ideen hat und eine andere Strategie. Jedes Haus wird mit großer Hingabe gebaut. Bei jedem kann man den Stolz auf die eigene Leistung erkennen. Es ist sehr schön hier dabei sein zu können.

Nach ca 1,5 Stunden beendet auch der letzte seine Bauarbeiten. Wir Eltern säubern die Tische und räumen auf während die Lehrerin eine Weihnachtsgeschichte vorliest. Dann ist endlich Schulschluss und Ferienbeginn.

Jule holt die Jungs und mich ab, wir brechen bald auf um mit unseren Freunden in Kula Weihnachtskekse zu backen. 4 Teige sind vorbereitet und so können die Kinder bald mit dem Ausstechen der Kekse beginnen. Obwohl wir bisher nicht in Weihnachtsstimmung gekommen sind stellt sich bald ein heimeliges Gefühl ein. Es duftet nach Zimt und Vanille. Die Kinder haben riesigen Spaß und genießen es die Kekse selber machen zu können. Es gibt noch ein tolles Abendbrot und dann können wir endlich die fertigen Kekse probieren. Unbeschreiblich! Es gibt Zimtsterne, Mailänder Konfekt, Spitzbuben und Totebeinli (Haselnusstangen). Alle Kekse sind toll geworden und so kehren wir mit einem großen Vorrat an Keksen und weihnachtlicher Stimmung zurück nach Kihei. Danke Michael und Kelly für einen wunderschönen Nachmittag.

Twin Falls und Ho’okipa

Am Sonntag machen wir einen kleinen Ausflug zu den Twin Falls. Wir waren hier schon einmal und die Jungs haben sich gewünscht noch einmal zu den „beiden Brüdern“ zu fahren. Das Wetter ist toll und wir brechen nach dem Frühstück auf. Der Haleakala ist wolkenfrei und wunderschön anzusehen. Ich blicke jetzt jedes Mal ganz andächtig zu ihm hinauf, voller Bewunderung für seine Schönheit und Erhabenheit und voller Begeisterung für meine Leistung.

Bei den Twin Falls angekommen, erkunden wir zunächst das Gelände großräumiger als bei den letzten Besuchen. Es gibt noch zwei weitere Fälle, aber an diesen kann man nicht baden. Trotzdem klettern wir ein wenig im Gelände herum, es ist schön zu sehen wie behende sich die Jungs mit ihren Flip-Flops auf dem steinigen Untergrund bewegen. Nach einiger Zeit gehen wir dann zurück zu den ersten beiden Wasserfällen, die Jungs trauen sich sogar ins Wasser obwohl es ziemlich kalt ist.

Der Rückweg führt uns dann erneut nach Ho’okipa. Wir verbringen den ganzen Nachmittag am Strand und schauen den Surfern und Windsurfern zu. Die Wellen sind relativ hoch und so sehen wir ziemlich spektakuläre Aktionen. Die Jungs finden schnell einen Freund und toben am Strand und im Wasser herum. Die kleine Prinzessin will natürlich auch ins Wasser und hat ihre große Freude an den Wellen. Seitlich am Strand hat sich wieder eine große Menge an Schildkröten versammelt. Diese großen Tiere, die sich im Wasser so anmutig bewegen, am Strand zu sehen erzeugt fast Mitleid. Sie sind so groß und schwer und können sich nur mit großer Mühe auf den Strand schleppen um Sonne zu tanken. Wir genießen es jedes Mal wenn wir diese Tiere sehen können. Es bleibt außergewöhnlich auch wenn es mittlerweile fast Alltag geworden ist.

Auf dem Rückweg essen wir noch eine Kleinigkeit im Paia Fischmarkt und dann geht es nach Hause.

Highlights der Woche

Peter macht seinen Traum wahr und erklimmt mit dem Rennrad den Haleakala
Wir backen Weihnachtskekse
Die kleine Prinzessin fängt an deutlich zu sprechen (Mama, Papa, Nein, Ja)
Die Jungs basteln am letzten Schultag eigene Gingerbreadhäuser